Bierseligkeit in homöopathischen Dosen

»Bierwerbung muss authentisch sein.« Selbstverständlich muss sie das. Dessen ist sich selbst jeder Prakti, der es nie zu mehr als zum Booklet binden bringen wird, bereits in der ersten Woche bewusst. Doch um das in glaubwürdiger Weise innerhalb aller zu einem intergrierten Konzept gehörenden Werbemittel darstellen zu können, muss niemand in die Niederungen hinabsteigen, welche übermäßiger Gerstensaftkonsum bei der bewansten Zielgruppe allwochenendlich aufreißt. In diesen gähnenden Schlund aus depressiver Verstimmtheit und Aggression ist es nicht nötig zu schauen, um die positiv behafteten Genussmomente einer vom Reinheitsgebot dominierten deutschen Domäne glaubhaft darstellen zu können.
Dennoch ist jeder Brandmanager persönlich zutiefst beleidigt, wenn die für sein Produkt zuständige Kreativcrew nicht in ähnlicher Form wie er selbst über die volksfestlichen Überschwänglichkeiten in Verzückung gerät.
Natürlich ist es sinnvoll, die Zielgruppe und ihre Marotten aus dem Effeff zu kennen. Aber, liebe Manager der Hopfen und Malz Vermarktung, dies muss zu keinem lebenslänglichen Studienobjekt werden. Der Besuch einer dieser Veranstaltungen ist völlig ausreichend, um zu wissen, was eure Augen so leuchten lässt. Dabei ist es völlig unerheblich, ob man sich diesen Eindruck-Flash nun auf der Wiesn im Süden oder dem Dom im Norden holt. So sehr Lokalkolorit auch auf einer regionalen Unterschiedlichkeit beharrt, euer Produkt macht Schwaben und Friesen schlussendlich zu Brüdern.
Also lasst uns ohne wiederholten Anschauungsunterricht arbeiten. Nehmt es nicht übel, wenn wir uns nicht einer rauen Wirklichkeit der Bierzelte aussetzen wollen, sondern lieber im Ideal verharren. Oder fordert ihr tatsächlich, dass Thrillerautoren die Morde, über die sie ihre Romane schreiben, auch wirklich begangen haben?

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