Fickt euch asap ins Knie

Heute platzt der Kragen. Was ich meinen Lieblings-Kontaktern immer schon mal sagen wollte und wovon mich mein Höflichkeit bisher mit Schergengewalt abgehalten hat:

„Ich spüre Euch schon lange, bevor Ihr die Klinke berührt. Mit wachsweichen Pfoten lauft Ihr über Parkett und Teppich, jeder Tapser ein glitschiges Geräusch und vor Euch treibt Ihr eine Duftwelle von zu lange abgehangenem Schleim aus den Schlammwüsten von Mordor. Dann öffnet sich die Tür langsamer als die Sargdeckel internatsgestählter Zombies.


Euer Kopf reckt sich vor, leicht zuckend, wie eine epileptische Taube, die auf dem Markusplatz die letzten Maiskörner aufpickt, die minderjährige Japaner mit großmütiger Geste gen historische Kulisse geworfen haben. In Euch brodelt es, langsam schiebt sich die Lavamasse Eure Speiseröhre hoch und wie ein Rülpser verlässt dann diese ekelrhethorische Frage das Loch, das Ihr Mund nennt: >Hast Du ’ne Sekunde?<

Ja, habe ich. Dafür werde ich bezahlt. Zu gut, sagen meine Eltern. Zu schlecht, sagt mein Gewissen. Ich nicke nur kurz.

Dann schweift Euer Blick über meinen vollen Schreibtisch, Gebirge von Unterlagen, die ihr mir alle herangeschafft habt, damit ich mich einlesen kann. Wohlbetont: Herangeschafft, nicht gesichtet. 80 Prozent der Unterlagen sind gequirlte Kleinköterkacke. Aber, habt Ihr mir bei der Übergabe auf die Schulter geklopft, Du liest doch schnell. Ja, ich liebe Euch auch. >Du hast doch noch Reserven, oder.< Wohlgemerkt, eine Feststellung, keine Frage. Hey, in diesem Hause gehen alle Aufträge zuerst über Euren Tisch. Ihr wisst genau, was ich zu tun habe. Wer hat denn unserem Lieblingskunden zugesagt: Montag?

Dann schaufelt Ihr einen Teil meines Schreibtisches leer, meine mühsam hergestellte Ordnung interessiert Euch einen Dreck. Ihr knallt ein DIN A4 Blatt auf die freie Stelle, die vier dürren Zeilen sollen wohl das Briefing sein. Alles, alles schwafelt Ihr mir um die Ohren. Dann schickt Ihr Euch zum Gehen an.

Gerade bevor Ihr noch >Du schaffst das< sagen könnt und Ihr die Tür langsam hinter Euch schließen wollt, als ob Ihr vor einem hungrigen Tiger flüchtet, schlägt meine Frage in Eurem Gehörgang ein. Nicht, dass ich sie schon 1.000 Mal gestellt hätte. Nicht, dass sie ihre Antwort sowieso zu jedem Briefing gehört. Nicht, dass Ihr genau wisst, wie viel Wert ich darauf lege. >Bis wann?<, werfe ich Euch hinterher, von meinen moralischen Vorstellungen fest an den Stuhl gekettet.

Natürlich kenne ich Eure Antwort. Ihr setzt Euer schönstes Lächeln auf, normalerweise nur für solvente Kunden reserviert. Ihr öffnet Euren Mund, die Lippen runden sich, ein leichtes Schmollen unter der Nase, und dann verflucht Ihr meine mildtätige Seele mit diesem Wort.

asap.

Ich kann es nicht mehr hören, ich will es nicht mehr hören. Gebt mir eine Stunde, gebt mir einen Tag, gebt mir eine ungefähre Zeitvorstellung. Oder schenkt mir ein einfaches >Schnellstmöglich<. Aber verschont mich mit dieser amerikanischen Power-Kuschel-Werbe-Kotze. Das ist nicht witzig. Ihr handelt mit meiner Zeit, also behandelt sie sorgfältig. Und respektiert mich.

Nicht, dass wir uns falsch verstehen. Ich will auch kein >Gestern< mit folgendem Pferdegekicher hören. Das ist in genauso unkomisch wie >Raumschiff Entenscheiß<, >Mikroweich< und >Noch so’n Spruch, Kieferbruch<. Versucht’s doch einfach mal mit Sachlichkeit und klaren Daten. Wenn das Zeugs heute nachmittag fertig sein soll, dann ist das halt so. Also sagt: >15.30< und wir sind die besten Freunde.

Und die Moral von der Geschicht‘. Ich will nie wieder das Wort >asap< aus Eurer cloaca minima hören. Ansonsten stopfe ich Euren Anus voll mit Rosenblättern und lass Euch durchs Oberlicht des römischen Pantheons furzen.“

Natürlich habe ich nichts von alldem gesagt und stillbrav weitergearbeitet.

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Über Ulli Kiebitz

Die ach so schöne Werbewelt fügt ihren Bewohnern schwere Verletzungen zu. Berater, Kreative, Kunden, Dienstleister sind werbewund. Dieses Blog ist der richtige Ort, die Wunden zu lecken. Unser Motto: "Du bist nicht allein." Denn es gibt immer jemanden, der noch schlimmer leidet als Du. Unsere Mission ist erfüllt, wenn wir auch nur einen einzigen Träumer, eine einzige Unschuldige davor retten, in die Werbung zu gehen.

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