Die Präzision des Ungefähren

Eine Idee ist eine Idee ist eine Idee.

Entweder sie wird gemocht oder landet unmittelbar nach Begutachtung im Nexus unterhalb des Schreibtisches. Nicht so, wenn der CD in ihr einen Gedanken sieht, den er gerne gehabt hätte. Dann bleibt der Idee der Papierkorb erspart und sie lebt weiter. Aber nicht im Kopf des CDs, sondern im Kopf desjenigen, der sie ursprünglich gehabt hat. Nur hat der sie ganz anders gehabt, muss jetzt aber versuchen, sie so zu haben, wie der CD sie gerne gehabt hätte. Das verwirrt.
Zur Lösung dieses gordischen Gehirnknotens empfehlen lang gediente Ideenhaber: nachfragen. Das ist ja eigentlich schnell gemacht. Und die Auflösung sollte doch auch kein Problem darstellen. Also forsch raus mit der Frage an den CD »Wie stellst Du Dir das denn jetzt vor?« Die entwaffnend simple Erwiderung zur Klärung der Verwirrung lautet dann meist »Anders«.

Und das hilft. Nie zuvor verspürte der Ideenhaber so viel positive Energie. Wann hätte er je solcherlei Unterstützung erfahren. Das war „Red Bull“ intravenös. Voller Einsatzwillen kehrt er an seinen Schreibtisch zurück, öffnet das Textprogramm, klickt auf „neues leeres Dokument“ und beginnt zu schreiben A-R-S-C-H-L-O-C-H.

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Im Reich der Tränen

Das Verhältnis der Kreativen zu den Beratern steht grundsätzlich auf Messers Schneide. Die Kreativen haben Ideen, viel Gehirnschmalz in wenig Zeit darein gesteckt und schon gar keine Lust darauf, unrecht zu haben. Eine Einstellung, die sie mit den Beratern teilen, die sich jedoch als Brückenkopf des Kunden verstehen und sowieso im vorauseilendem Gehorsam handeln.

Also ist ein reges Vertreten des jeweils eigenen Standpunkts programmiert. Wer als erster von der Stelle rückt, meint schon, auf verlorenem Posten zu stehen. Gute Argumente, trickreiche Ausweichmanöver und das richtige Timing drängen sich als Hauptrollen nach vorn. Und wenn das alles nichts mehr hilft, greifen Beraterinnen zum letzten Mittel:

Die Pupillen bekommen diesen ganz besonderen Glanz, die Wasser beginnen zu fließen, die Sturmflut steigt – und das Tränenmeer dringt in die Agenturräume ein. Ein starkes Argument, wer weint, vor allem auf Arbeit, hat immer Recht, wer will schon Schuld am gebrochenen Herzen sein und gegenüber den Chefs steht man sowieso also Buhmann/frau da, alles wird so getan, wie die Beraterin es sich tränenreich und nicht unter Auslassung persönlicher Vorwürfe wünscht – und wie von Zauberhand ist das Meer bald wieder trockengelegt.