Wir haben einen Scheißjob

Das Leben ist doch gar nicht so übel. Immer wenn man meint, es könnte nicht schlimmer kommen, erfährt man, dass es anderen noch schlechter geht. Heute hat die Produktion den Schwarzen Peter gezogen. Und ich glaube fast, der bleibt an den Mitwirkenden kleben. Aber von Anfang an …

Wie alle Chefs der Welt ist auch der unsere auf die wichtigten Tageszeitungen abonniert. Die Welt hat gestern einen Artikel veröffentlicht, auf den er sofort angesprungen ist. Ein, zwei, drei Studierende haben eine Studie durchgeführt:

In einem Krankenhaus haben sie das Toilettenpapier mit Hygienehinweisen bedruckt – vulgo „Wasch Dir die Hände, nachdem Du pissen und kacken warst“. Das half. Die Hygiene in entsprechenden Krankenhäusern stieg.

Ja, da könnte man doch, dachte der Chef. Und jetzt muss die Produktion. Sich Gedanken machen. Bei welcher Premiummarke im Toilettenpapierbereich könnten wir uns jetzt die Agenturtoiletten-Toilettenpapierrollen bedrucken lassen. Mit Motivationssprüchen. Damit die Arbeit leichter von der Hand ginge.

Wenn ich so recht darüber nachdenke, trifft es nicht nur die Produktion schlimm. Der Text darf sich die Sprüche ausdenken – „Immer saubere Arbeit abliefern, das macht den Kunden glücklich“. Und die Grafik darf Klopapier gestalten. Das ist ja gleich was für die Mappe.

Der Kunde auf dem Agenturklo

Saubere Scheiben, frische Blumen, poliertes Metall, elegante Empfangsdame – natürlich tut meine Werbeagentur alles, damit sich unsere Kunden von Anfang an wohlfühlen. Ein schnieker Konferenzraum, volle Röhre Medienausstattung, Schnabelwässerndes und verbale Kotaus. Ja, denkt sich der gemeine Kunde da. Ist ja alles ganz toll hier. So wie die uns hier behandeln. Und dann all diese freundlichen Menschen, die vor der Glastür des Konfis vorbeischreiten. Oh, der Tee drückt meine Blase. Da frag ich doch gleich mal … ah hier … Hey, ich mache das Licht an und Musik ertönt. Hübsche Idee. Und alles so schön sauber hier. Ich glaube, ich werde mit dieser Agentur noch lange zusammenarbeiten.

KUNDE! Wenn Du wirklich wissen willst, welch geistig Kind eine Agentur ist, lasse Dich nicht mit dem abspeisen, was Dir vorgesetzt wird. Gehe zu Beratern in die Büros, wirf einen Blick auf das Arbeitsumfeld der Kreativen. Und das Wichtigste: Geh nicht auf die Kundentoilette, sondern auf das Mitarbeiterklo. Sieh Dich um. Alles sauber? Seife eingefüllt? Die Extra-Rolle Toilettenpapier? Und der Weg führte nicht an stinkenden Druckern vorbei? Dann ist ja gut. Ansonsten: Kündige die Zusammenarbeit. So wie die Agentur ihre Mitarbeiter behandelt, so denkt sie auch von ihren Kunden.